Belleruche im Blue Shell

Gestern waren wir in einem Konzert von der Band Belleruche im Blue Shell. Der Tag war anstrengend, aber die Akustik im Raum war viel, viel anstrengender. Manchmal ist halt auch der Unterscheid zwischen Live und YouTube gewaltig. In diesem Fall ist es echt schwierig gewesen zu sagen, warum sich das Ganze nicht so gut angefühlt hat. Die Band besteht aus drei Mitgleidern, zwei Musiker und eine Sängerin, bei der man kaum Wörter auseinander halten kann. Die Musik war ok, aber leider war sie nach meinem Empfinden lauter wie die Sängerin und das sollte doch eigentlich nicht sein. Die Sängerin ist charmant, aber nicht unbedingt für die kleine Bühne. Mir kam die ganze Band wie in einem abgeschlossenen Kasten vor. Die Bar Blue Shell ist klein mit einer kleinen Bühne, einer kleinen Theke und kleinen Tischen und normalerweise würde sie mir wahrscheinlich als gemütlich vorkommen, aber nicht gestern. Sie war nicht voll und man konnte ohne gesehen zu werden unauffällig gehen. Und das war schade, man kommt schließlich nicht für ein paar Lieder, es waren ein paar nette Lieder dabei und die Musik ist auch anregend, aber es war alles nicht mein Fall.

William Kentridge

Das erste Mal habe ich die Arbeit des Künstlers William Kentridge im Museum Ludwig in Köln gesehen. Das Video aus Tausenden von Zeichnungen wurde von einer gefühlvollen Musik begleitet. Das Zusammenspiel des Klanges mit den zahlreichen Zeichnungen, die die Traurigkeit in sich tragen und mit sich ziehen, hat mich für lange Zeit in seine Bann gezogen. Der kleine Raum mit einer Sitzbank betonte die außergewöhnliche Tiefe des Künstlers, der den Zuschauer mit schwierigen Themen konfrontiert.

Die Themen der Trauer, der Einsamkeit, des Alleinseins und des Verlustes von Menschen, die man liebt und braucht. William Kentridges Zeichnungen zeigen oft den Künstler selbst, aber auch die Personen, die für ihn von Bedeutung sind. Es ist aber nicht wichtig zu wissen, dass der Künstler sich oft selbst portraitiert, weil er in jeder seiner Zeichnungen auch auf der Suche nach sich selbst zu sein scheint. Er spielt mit der Wahrnehmung des Zuschauers, aber gibt mit jeder Zeichnung einen Teil von seiner Welt.

William Kentridge (geboren 1955 in Johannesburg) ist für mich ein Künstler, weil er mit der Kunst nicht abschließen kann. Er versucht sich in verschiedenen Medien, und verbindet sie, indem er ein Video aus mehreren Zeichnungen zusammenstellt oder ein Theaterstück dokumentiert und einen Film mit einigen Zeichnungen in Kontrast stellt. Er ist offen für das Neue und hat keine Angst vor Konfrontation. William Kentridge zeichnet, photographiert seine Zeichnungen, verändert sie und photographiert sie wieder, daraus entstehen animierte Filme, die den Künstler in allen seinen Fassetten zeigen. Es sind Filme, die voller Leichtigkeit sind, trotz der Themen und langen Entstehungszeit. Es sind Filme, die bewegen und zum Nachdenken bringen.

Die Animation „Felix in Exile“  (1994) zeichnet eine traurige Geschichte, seine Zeichnungen scheinen lebendig zu sein und man empfindet die Trauer des Protagonisten. Es ist nicht einfach alleine zu sein, aber jeder ist eigentlich mindestens teilweise alleine mit sich selbst konfrontiert. Wir sind auf der Suche nach Liebe, Anerkennung und Wärme. Aber sollten wir uns nicht öfter fragen, ob wir selber imstande sind Liebe und Wärme zu geben?

Das zweite Mal habe ich das Werk Kentridges „The Refusal of Time“ (2012) während der Documenta 13 gesehen. Ich wusste, dass William Kentridge bei der Documenta vertreten ist und ich bin in den Raum rein, in welchem er ausstellt, und wieder raus. Es war mir für einen Moment fremd, in dem Moment wusste ich auch nicht, dass dies sein Werk ist. Abends sind wir zurück und haben uns den Film angesehen. Ich bin in tiefe Gedanken versunken. William Kentridge steigt über die Stühle und sagt die Sekunden an in seinem 24-minutigen Video. Es sind Frauen und Männer, die ein Land zu Fuß verlassen, schwere Säcke tragend und die Geschichte einer Frau, ihres Mannes und Liebhabers. Es ist aber auch die Musik, die das Werk Kentridges vollendet. Die laute Musik am Anfang, die im Rhytmus von Metronomen immer schenller und schneller hin und her schlagen, steht im Kontrast zum Künstler selbst. Sie gibt im Zusammenspiel mit der Atemmaschine noch mehr Gefühl und füllt den Raum. Es geht auch um die Zeit, die immer weiter geht, auch wenn man sie zu stoppen versucht und es handelt von den Menschen, die mit der Zeit gehen und ihre Zukunft in die Hand nehmen, aber auch um die, die alles so annehmen, wei es ist, auch wenn sie unzufrieden sind. Der Rhytmus, die Bewegung und das besondere Gefühl für Zusammenhänge von anscheinend unzusammenhängenden Elementen und Geschichten treten  in den Werken des Künstlers, der selbst mit der Zeit zu gehen scheint und sie durch seine Kunst verändert, hervor.

William Kentridges Werke versetzen mich in eine Art Illusionswelt, in die ich schon mal gerne flüchte. Sie lassen mir den Freiraum für mich eigene Schlüsse zu ziehen. Sie sind ernst und traurig, aber voller Faszination und Gier nach dem Leben, nach dem Moment hier und jetzt und nach dem Genießen dieser Momente, die wir nicht immer schätzen. Die bewegten Bilder, im Falle Kentridges die bewegten photographierten Zeichnungen eröffnen Möglichkeiten für das Verstehen von eigenen Bedürfnissen und der Umwelt, aber sie erinnern auch an die Menschen, die die Welt verändern oder zerstören, indem sie zu stark an sich selbst denken und die anderen vergessen.

Documenta in Kassel

Wo soll man nur bei der Documenta in Kassel starten? Ich würde bei der Kunsthalle oder Fridericianum beginnen und am Bahnhof im Nordflügel enden. Es steht extra zu Documenta der Bus D13 zur Verfügung. Den haben wir auch benutzt und es war sehr angenehm. Vor allem, wenn man ein bisschen Pause gebrauchen kann. Um nicht zu viel zu verraten, werde ich einfach meine Eindrücke schildern und ein paar Künstler benennen, die mich besonders beeindruckt haben. Das wären: Lee Miller, die Fotografien in der Rotunde im Fridericianum, Julie Mehretu  in der Documenta Halle, Rabih Mroúe im Südflügel vom Kulturbahnhof und William Kentridge im Nordflügel des Bahnhofs. Auf diese werde ich in anderen Artikeln näher eingehen.

Allgemein zu Documenta 13: es sind sehr viele neue Künstler vertreten, es kann also auch nicht alles gefallen und manches irritiert auch ziemlich, vielleicht aber auch weil es zu unverständlich bleibt. Die Karte zur Documenta hilft aber die Künstler, die man von früher kennt und auch die Orte, die einen interessieren, zu finden. Das Spohr-Museum im Südflügel des Bahnhofs ist sehr empfehlenswert, weil man auch ziemlich interaktiv sein darf, man darf mit Flaschen , mit einer Geige und auch mit vielen anderen Instrumenten spielen , es ist schön und auch mal was anderes, es gehört aber zum Bestandteil des Museums, also nicht zur Documenta, ich wollte dies nur kurz erwähnen. Zurück zu Documenta, sie findet alle 5 Jahre statt und ich darf behaupten, dass es wirklich schade wäre so viele Kunstwerke nicht zu sehen. Es ist nicht einfach alles wahrzunehmen, soll man aber auch nicht. Im Museum der Gebrüder Grimm ist zum Beispiel im Teil der Documenta eine nette Musik, von Three Drummers and the knight vertreten. Die Documenta bietet Raum für jeden, ob ein Kind, das sich für Plüschtiere oder Farbe begeistert, oder ein Kenner, der immer wieder was Neues für sich entdeckt, oder auch eine Familie, die auf einander eingeht und den ein oder anderen Künstler auslässt. Sie dauert bis September und geht auf fast jeden Wunsch des Kunstliebhabers ein, aber auch die Stadt verwandelt sich für hundert Tage in eine andere. Eine Stadt, die viele Fenster öffnet und Kunst in den Vordergrund stellt.