Marilyn Monroe – die Zerbrechliche

Bert Stern, Lachend, 1962
Bert Stern, Lachend, 1962

Marilyn Monroe ist der Name, den fast jeder kennt, dabei ist es ja nicht mal der echte Name der Frau, die viele faszinierte. Norma Jeane Baker ist immernoch in unseren Herzen, sie ist diejenige, die leider für immer jung bleiben sollte, da ihr Leben schon mit 36 enden musste. Sie ist natürlich, zart, sexy, bewegend, lebendig und charmant, sie ist alles, was viele Frauen sein wollten und nur wenige scheinen diese Eigenschaften zu besitzen. Es ist ein Talent, aber auch das Leben, das sie so werden ließ, wie sie war, dabei wusste keiner wirklich, wer sie ist, es glaubten nur alle zu wissen. Für mich ist sie eine Frau, die kein Vorbild ist, sondern eine Hoffnung alles zu werden, was man nur möchte, ohne zu zerbrechen. Ja, sie ist zerbrochen, aber sie erinnert uns auch daran, nicht alles geben zu wollen und manchmal vielleicht einfach alles geschehen zu lassen, nicht gegen den Strom zu schwimmen, sondern in Richtung des Wassers. Frauen sind stark, aber sie sind alle auch zerbrechlich, die eine mehr, die andere weniger. Die eine zeigt ihre Gefühle, die andere scheint kühl zu sein. Marilyn Monroe konnte alles sein, aber sie gab auch immer stückchenweise etwas von sich weg. In jeder Rolle, in jeder Fotografie sehen wir sie, so wie sie ist, aber auch eine andere. Keine ist so wie sie, es sollte aber auch keine versuchen. Eine Frau sollte sich selbst finden, so sein, wie sie sein kann und sich nicht ändern lassen.

Das ist, was ich in vielen Gesichtsausdrücken von Marilyn Monroe sehe. Sie ist für mich eine wahre Persönlichkeit, die jede Frau in der einen oder anderen Weise werden kann, wenn sie sich selbst treu bleibt.

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Lieber Aby Warburg, was tun mit Bildern? Vom Umgang mit fotografischem Material

Was heißt es Dinge zusammenzusetzen, Teile zusammenzulegen und Verschiedenes in Einklang des Ganzen zu bringen? Was ist das Ganze? Ist es eine Art Archiv, das den Versuch unternimmt, die zusammengesetzten Dinge oder die zusammengelegten Teile in einen oder mehrere Ordner zu packen?

Die Ausstellung Lieber Aby Warburg, was tun mit Bildern? in Siegen setzt sich nicht nur mit fotografischem Material auseinander, sondern konkretisiert das Experimentelle, das auch Aby Warburg (1866-1929) in seinem Umgang mit Bildern pflegte.

Abraham Moritz Warburg war ein bekannter deutscher Kunsthistoriker und Begründer der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg, der sein jahrelanges Projekt, Mnemosyne-Atlas nicht vollenden konnte und damit auch einen weiten Raum für die Frage: „Was tun mit Bildern?“ offen gelassen hat.

Es geht um Erinnerung und Gedächtnis, Möglichkeiten und Gesten, Bewegung und Wiederholung, Kontext und Widersprüchlichkeit.

Was heißt es zu ordnen, um sich zu erinnern? Welche Erinnerungen sind wichtiger oder ist die Wichtigkeit gar nicht mehr zu ermitteln?

Tobias Buche setzt die Begriffe wie „Wichtigkeit“, „Korrektheit“ und andere in einem Dreieck in seinem Werk Untitled von 2007. Es sind Paneele, die unterschiedliche, gedruckte, kopierte Bilder oder Fotos, die in einer scheinbaren Unordnung zusammengefügt sind, präsentieren. Die scheinbare Reihenfolge und die Tendenz zur Lücke bei der Komposition Buches und auch die sichtbaren Spuren der künstlerischen Bearbeitung sind Zeichen eines fortlaufenden Prozesses des Austauschens von Bildern, ihrer Fragilität und Zeitlichkeit.

Der Prozess der Vergänglichkeit ist auch in der Wandinstallation von Cécile Hummel Zurück-Blicken von 2012 präsent. Die Abzüge von in Süditalien gekauften Glasnegativen aus den 1930er und 1940er Jahren scannt Cécile Hummel ein und druckt sie in einem Offset-Verfahren aus, semi-transparente Schichtungen und samtig-matte Färbungen entstehen im anlogen Druckverfahren, dabei setzt sie verschiedene Farbakzente ein. Hummel entscheidet über die Zusammensetzung der Einzelbilder dieser Serie von Portraits immer wieder neu und ergänzt sie durch neue Bilder. Es ist ein Prozess des Erblickens und des Erblickt-Werdens. Die Portraitierten treten mehrmals durch bestimmte Wiederholung in Szene und haben eine Geschichte zu erzählen, die uns aber verborgen bleibt.

Einen etwas anderen Zusammenhang zwischen Bild und Text stellt Ulrike Kuschel in ihren Bildbeschreibungen II von 2006 dar. Bilder erzählen nämlich eine andere Geschichte wie Texte, die diese Bilder beschreiben sollen. Wir erwarten durch den Titel eine leichtere Auseinandersetzung mit Bildern, dabei irritiert uns beim genaueren Betrachten dieser Bilder die Tatsache, dass die danebengedruckten Texte andere Fakten wiedergeben. Es entsteht die Frage nach den wahren Zusammenhängen und der subjektiven Auseinandersetzung einerseits mit Bild und andererseits mit Text.

Was ist Objektivität? Mit dieser Frage beschäftigt sich auch Paula Roush in ihrem Projekt Found Photo Foundation 2007-2012* und schafft eine Bewegung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Es ist ein Bildarchiv, das gefundene Fotos sortiert und offen zur Schau stellt, es ermöglicht alternative Sichtweise auf das Erfahrene, was in der Realität vielleicht nicht mehr aufzufinden ist.

Die Fehlstellen/Voids verarbeitet Simon Wachsmuth im Zyklus von 12 Leinwänden zwischen 2008 und 2010. Wachsmuth interessieren die aufgefüllten Fehlstellen in den Malereien, die über Jahrhunderte die Pierro della Francescas Fresken in der Chorkapelle von San Franzisco in Arezzo (Darstellung der Geschichte des Heiligen Kreuzes, entstanden zwischen 1452 und 1466) veränderten. Wachsmuth arbeitet mit Negativen und Positiven und fügt schwarz-weiße Fotos und Zeitungsartikeln, die unterschiedliche Geschehnisse festhalten, rein. Schwarze Farbe umgrenzt die Bilder, die erneut die Gegenwart mit der Vergangenheit konfrontieren.

Eine Umgrenzung bildet der Rahmen im Werk Koenraad Dedobbeleers With the Patient Lack of Interest von 2009. Die Skulptur umfasst zwei Fotografien eines gefalteten Stücks Papiers, das man durch die Bewegung des Rahmens innerhalb der Holzkonstruktion von beiden Seiten betrachten kann. Es ist diese Bewegung und die Falten des Papiers, die einen Eindruck von einem dreidimensionalen Körper erwecken, einem Körper, der sich in unserer Vorstellung verändern kann.

Das Zusammenlegen, Drehen, Vertauschen, Wiederzusammenführen, Verändern und Erinnern sind alles Dinge, die wir in unserem alltäglichen Leben tun. Wir legen Dinge zusammen; wir drehen uns, indem wir uns bewegen; wir vertauschen unsere Gedanken und führen sie wieder zusammen; wir verändern uns mit der Zeit und erinnern uns an das Erlebte. Wir sind Körper, die manchmal nach ihrem Tun definiert werden und wir vergessen.

Aber was tun mit Bildern?

Teilnehmende Künstler: Özlem Altin, Tobias Buche, Mariana Castillo Deball, Marianna Christofides, Koenraad Dedobbeleer, Katalin Deér, Thea Djordjadze, Hervé Garcia, Cécile Hummel, Franziska Kabisch, Ulrike Kuschel, Alexandra Leykauf, Katrin Mayer, Elke Marhöfer, Lia Perjovschi, Manfred Pernice, Abigail Reynolds, Paula Roush, Ines Schaber & Stefan Pente, Eske Schlüters, Batia Suter, Simon Wachsmuth, Haegue Yang

Museum für Gegenwartskunst, Siegen

Teilnehmende Künstler: Özlem Altin, Tobias Buche, Mariana Castillo Deball, Marianna Christofides, Koenraad Dedobbeleer, Katalin Deér, Thea Djordjadze, Hervé Garcia, Cécile Hummel, Franziska Kabisch, Ulrike Kuschel, Alexandra Leykauf, Elke Marhöfer, Katrin Mayer, Lia Perjovschi, Manfred Pernice, Abigail Reynolds, Paula Roush, Ines Schaber und Stefan Pente, Eske Schlüters, Batia Suter, Simon Wachsmuth und Haegue Yang

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„horizontal“ – die Kunst der Linie

Was verbindet den deutschen Zeichner Malte Spohr mit der holländischen Malerin José Heerkens und der israelischen Videokünstlerin Hilla Ben Ari?

Sie stellen in GKG – Gesellschaft für Kunst und Gestaltung in Bonn aus. Die Ausstellung „horizontal“ stellt eine Verknüpfung zwischen unterschiedlichen Künstlern wie Christiane Baumgartner, Nicholas Bodde, Nina Brauhauser, Max Cole, Günter Walter, Wolfgang Nestler, Christiane Schlosser, Christoph Gesing, Björn Drenkwitz, Hilla Ben Ari, Malte Spohr und José Heerkens dar. Aber es geht nicht um kulturelle Unterschiede, oder politische Auseinandersetzungen und auch nicht nur um die abstrakte Kunst. Es geht um die Linie, die bei jedem Kunstwerk in dieser Ausstellung auf verschiedener Weise auftritt und den Rahmen füllt.

Es sind Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen, Fotografien und Videos, die alle nun eine Gemeinsamkeit haben, sie zeigen die Linien, die horizontalen Linien.

Malte Spohrs MKL-Arbeiten auf Bütte eröffnen in einem von zwei Räumen der Ausstellung „horizontal“ das breite Spektrum an scheinbar unerschöpflichen Möglichkeiten der Linie. Wir neigen dazu in Wolken, wenn wir sie lange genug ansehen Gesichter zu erkennen, so ist es bei den Zeichnungen Spohrs nicht. Man könnte die Wolken, oder Leopardenmuster oder vielleicht sogar Tarnflecke in seinen Linien erkennen, aber es kann auch einfach nur der abstrahierte Blick auf eine Landschaft sein. Irgendwie erscheinen mir seine Werke romantisch, sie sind für mich verführerisch und rätselhaft, weil man sich fragt, wo denn diese Landschaften sind. Es sind nun Linien, die im Zusammenspiel organische Formen ergeben.

Die „Echos“ von Björn Drenkwitz „Wir sind das Volk“ und „Blood, Toil, Tears and Sweat“ spiegeln den Gedanken wieder. Wir als Volk wollen bemerkt und gehört werden. Wir verlieren uns leicht in einer Landschaft, wenn wir keine Anhaltspunkte fest halten.

Nicholas Bodde konkretisiert die Linie, indem er die Linien klar voneinander trennt. Nina Brauhauser vermischt sie. Die Bewegung der Farbe Boddes findet man in dem Video „Speed“ von Christiane Baumgartner wieder.

José Heerkens überträgt horizontale Linie nicht nur auf die Wand, sondern auch auf den Boden. Hier stellt sich direkt die Frage nach der Zerlegung der Einzeleile, die Gemälde an der Wand und auf dem Boden kennzeichnen die Bedeutung des Raumes für die Künstlerin. Die bunten Farben mit den Erdfarben spielen auch das Konzept einer Stadt auf.

Unsere Wahrnehmung hängt nicht nur mit unserem körperlichen Gleichgewicht zusammen, sondern wir sind auch immer auf der Suche nach der inneren Zufriedenheit und der „goldenen“ Mitte. Die horizontale Linie bezeichnet auch den Weg, den jeder für sich selbst irgendwann wählt. Wie treffen ständig Entscheidungen, weswegen sich unser Leben in einer ständigen Veränderung befindet. Die horizontale Linie steht nicht nur für die Klarheit, sondern auch für das Ganze, das Ganze, das wir selbst aus verschiedenen Teilen zusammenstellen.

Für jeden der Künstler dieser Ausstellung scheint die horizontale Linie von Bedeutung zu sein. Aber die Frage nach Warum und Weshalb kann sich jeder für sich beim Besuch dieser vielseitigen Ausstellung beantworten.